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Tränenwege

Erkrankungen der ableitenden Tränenwege können in jedem Lebensalter vom Neugeborenen bis ins hohe Lebensalter vorkommen. Ursachen sind angeborene oder erworbene Abflussstörungen durch mechanische Hindernisse in den Tränennasenwegen oder durch Störungen im Bereich des Lidapparates (Tränenpumpe). Das Leitsymptom ist ein tränendes Auge nicht nur bei Wind und Kälte, sondern auch in geschlossenen Räumen. Diese Erkrankungen können mit und ohne Zeichen einer akuten Entzündung einhergehen.

 

 a) Neugeborene und Säuglinge

Angeborener Tränenwegsverschluss / Dacryocystitis neonatorum chronica simplex Die Tränensackentzündung bei unvollständiger Öffnung des Tränenweges zur Nase hin ist die häufigste Erkrankung der Tränenwege im Säuglings- und Neugeborenenalter. Üblicherweise öffnen sich die Tränennasenwege unter oder kurz nach der Geburt, sodass ein freier Abfluss der Tränen in die Nasenhaupthöhle erfolgen kann. Passiert dies nicht, oder nur verzögert, so besteht ein tränendes Auge (Epiphora), ggf mit Zeichen der chronischen Lid- oder Bindehautentzündung. Eine Behandlung ist bei Entzündungszeichen zwingend notwendig. Bei ausbleibender Besserung nach einer konsequenten konservativen Therapie (Tränensackmassage, ggf antientzündliche Augentropfen) kann ab einem Alter von 3-6 Monaten eine ambulante Spülung der Tränenwege durchgeführt werden. Sind die Kinder schon etwas älter, oder hat eine bereits erfolgte Spülung ohne Vollnarkose nicht zum Erfolg geführt, muss diese erneut in Narkose erfolgen. Während dem Eingriff kann eine Schienung der Tränenwege mit einem kleinen Kunststoffschlauch (Silikonschlauchintubation) vorgenommen werden, wobei die Intubation für einige Wochen belassen wird.

 

b) Erwachsenenalter:

Zunächst muss mittels der klinischen Untersuchungen und der radiologischen Zusatzbefunde die Ursache der Abflusstörung festgestellt werden.

Findet sich eine Engstelle oder ein Verschluss der ableitenden Tränenwege, so kommen in Abhängigkeit der Lokalisation unterschiedliche operative Verfahren zum Einsatz. Genannt werden soll hier exemplarisch die endoskopische Dakryozystorrhinostomie („von innen“) oder die externe Dakryozystorrhinostomie („von aussen).

 

Endoskopische Dakryozystorrhinostomie

Zunächst wird ein Lichtleiter über die Tränenpünktchen eingeführt und in den Tränensack vorgeschoben. Gleichzeitig erfolgt von Seiten der Nasenhaupthöhle die Anlage eines neuen Knochenfensters zwischen der mittleren Nasenmuschel und dem Tränensack. Der Lichtleiter dient als Lokalisationshilfe um das Knochenfenster korrekt zu platzieren. Nachdem so eine neue Verbindung zwischen Tränensack und Nasenhöhle geschaffen wurde, erfolgt eine Schienung der Tränenwege mit einem kleinen Kunststoffschlauch (Silikonschlauchintubation). Der Silikonschlauch wird für ca. 6 Wochen belassen.

 

Externe Dakryozystorrhinostomie

Hierbei wird am Übergang zwischen innerem Lidwinkel und der Nasenwurzel ein kleiner Hautschnitt angelegt und der Tränensack in der Tränengrube dargestellt. Nach Anheben des Tränensackes wird in die darunterliegende Knochenlamelle (Fossa lacrimalis) ein Knochenfenster zur Nasenhaupthöhle angelegt. Nach Eröffnen des Tränensacks und der Schleimhaut der Nasenhöhle wird auch hier ein Silikonschlauch zur vorübergehenden Schienung des neu angelegten Abflusses eingelegt und anschliessend die Schleimhäute von Tränensack und Nase mit sich selbst auflösenden Nähten verbunden. Abschliessend erfolgt der schichtweise Wundverschluss.

Auch hier sollte der Silikonschlauch für ca. 6 Wochen belassen werden.